Die FÜNF und die SECHS
Sonntag, 09. Februar 2025
Die FÜNF
FÜNFER sind Kopfmenschen (Forscher, Erfinder, originelle Köpfe), die denken, bevor sie handeln. Sie sind offen und empfänglich für neue Fakten und Eindrücke, interessiert am Detail, dabei provozierend, unorthodox, tiefsinnig. Sie können anderen helfen, die Wirklichkeit objektiver wahrzunehmen.
Die Primärerfahrung der FÜNF war die der Leere, weswegen ihnen eine große Sehnsucht nach Fülle innewohnt.
Das Innere-Kind-Muster der FÜNF: Ich bin nicht erwünscht; FÜNFER erfuhren in ihrer Kindheit wenig Zärtlichkeit und Nähe. So blieb die eigene Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu kommunizieren, unterentwickelt.
Während die ZWEI obsessiv gebend ist, ist die FÜNF obsessiv nehmend (ihr wunder Punkt Habsucht/Gier). Das Nehmen bezieht sich häufig auf Gedanken, auf Raum, Zeit und Stille. FÜNFER brauchen eine geschützte Privatsphäre, sind meist introvertierte Eremiten oder technische Tüftler, die versuchen, sich zumindest äußerlich nicht in den Strudel von Gefühlen ziehen zu lassen. Dabei haben FÜNFER in Wirklichkeit ein intensives Gefühlsleben, die Gefühle hinken jedoch dem Ereignis hinterher.
FÜNFER fühlen sich oft wie VIERER mehr mit Abwesenden als mit Anwesenden verbunden. Wem ein kleiner Finger reicht, dem kann eine FÜNF eine treue Partnerin oder ein treuer Freund sein.
Große Philosophen waren oft FÜNFER. Während die VIER auffallen will, will die FÜNF genau das Gegenteil. Wird ein Gespräch zu persönlich, entzieht sie sich.
Die Versuchung der FÜNF ist Wissen, das für sie Macht bedeutet. Unreife FÜNFER sammeln Wissen, Konzepte, Seminare oder Retreats an. Sie möchten mit intellektueller Überlegenheit brillieren und ihre Erhabenheit über jedwede Gefühlsduselei demonstrieren.
Ihr Selbstbild: Ich blicke durch. Ihre Idealisierung: Ich bin okay, wenn ich weise, klug und rezeptiv bin.
Der Abwehrmechanismus der FÜNF ist Rückzug. Emotionales Engagement ist ihr zuwider, sie hat Angst vor Berührung und Verbindlichkeit.
Die FÜNFER-Falle ist der Geiz: Vor allem geizt sie mit sich selbst. FÜNFER sind pathologische Geizkragen, die ihr Leben nicht genießen, dabei oft aber genügsam sind, denn sie mussten sich als Kind oft mit wenig begnügen.
Ihre Lebensaufgabe: Die Einladung an die FÜNF heißt Weisheit: Denken plus Lebenspraxis, als reflektiertes Handeln sozusagen.
Ihre große Gabe ist ihre Objektivität. FÜNFER sind auf Grund dessen gute Streitschlichter und Seelsorger (können stundenlang zuhören), erfinden großartige geistige Systeme, verstehen Zusammenhänge.
Während sich die unreife FÜNF zwingend distanzieren MUSS, KANN sich die reife FÜNF distanzieren.
Auf dem Lebensweg hilfreich sind: Meditationen als Kraftquelle, Gestalttherapie, Körperarbeit.
Reife FÜNFER besitzen eine stille, innere Kraft, sind sanft und liebenswert.
Die SECHS (Untertypen: phobisch und kontraphobisch)
Ca. 50% aller Menschen sind SECHSER; ihr Anteil in Deutschland ist besonders hoch.
SECHSER haben großartige, oft verkannte Gaben: Sie sind kooperativ, treu, zuverlässig und setzen sich unbedingt für die Menschen ein, die sie lieben.
Sie haben einen sechsten Sinn für drohende Gefahren, sind leicht von Selbstzweifeln befallen: Die Welt ist gefährlich. Man muss auf der Hut sein.
Ihr Mangel an echtem Selbstvertrauen führt zur Unterordnung unter Autoritäten (Kirche, Partei, Staat, Militär, Wissenschaft). Die unreife SECHS gehorcht bedingungslos.
SECHSER werden geplagt von Versagensängsten, sind oft Pessimisten, Bedenkenträger. Unreife SECHSER kämpfen um ihr Überleben, nie aber um Erfolg.
Die phobische SECHS (sie macht den großen Teil aller SECHSER aus) ist vorsichtig, zögernd, misstrauisch, sie weicht Gefahr aus, wirkt auf andere jedoch pflegeleicht.
Die kontraphobische SECHS versteckt ihre Angst und wird deshalb häufig in ihrer Art mit der ACHT verwechselt. Tatsächlich kann sie sich und anderen Schaden zufügen, denn sie kompensiert ihre Furcht durch Härte.
Die Versuchung der SECHS liegt in ihrem überzogenes Streben nach Sicherheit. SECHSER lieben orthodoxe, geschlossene Systeme, haben einen Hang zu Traditionalismus oder sogar Fundamentalismus. Das Gesetz fasziniert sie.
Ihr Selbstbild: Ich tue meine Pflicht.
Ihre Idealisierung: Ich bin okay, wenn ich treu, gehorsam und loyal bin.
Der primäre Abwehrmechanismus der SECHSER ist die Projektion. Das Misstrauen sich selbst gegenüber projizieren sie auf andere.
Ihr wunder Punkt ist die Angst. Sie leugnen die Angst und geben ihr Namen wie Diplomatie, Vernunft oder Klugheit, auch Loyalität oder Gehorsam.
Die Angst sitzt als Hirngespinst tatsächlich im Kopf und nicht in Herz oder Bauch.
Unreife SECHSER vermeiden Fehlverhalten, halten sich penibel an Regeln.
Die Falle der phobischen SECHS ist Feigheit, der kontraphobischen Waghalsigkeit. Alle SECHSER überschätzen Autoritäten und misstrauen ihnen zugleich.
Ihre Lebensaufgabe besteht darin, sich mutig von Autoritäten zu lösen und in das eigene Selbstvertrauen zu kommen, indem sie z.B. ihre Ängste auf Realität hin überprüfen.
Reife SECHSER verbinden das Traditionelle mit neuen Wegen und haben ein gutes Gespür für die richtige Kombination.
Sie sind loyal, hingebungsvoll, verantwortungsbereit und vertrauensvoll.
In der Einschätzung meiner Nummer kam ich nach der DREI zur SECHS, bevor ich mich schlussendlich in der EINS wiederfand. Wen wundert es, sitzt uns doch allen die Angst evolutionär mehr oder weniger im Nacken. Nicht zufällig werden wir in der Bibel mehr als 300-mal aufgefordert, uns nicht zu fürchten.
Peter und ich haben aus der Angst, konkreter: aus der German Angst, ein Vortragsthema gemacht. Hier kannst du einen Blick auf den Inhalt werfen. Ein herzliche Einladung schon jetzt!
Lies hier den siebten Teil meiner Enneagramm-Serie.
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