Meisterin-Eckhardt-Logo Meisterin-Eckhardt-Logo

Die DREI und die VIER

Sonntag, 02. Februar 2025


Die DREI

Die DREI trägt eine vertrauenerweckende Leichtigkeit in sich, verbreitet gute Atmosphäre. Sie ist Meister im Setzen von Zielen und erreicht diese effektiv und kompetent. Es gelingt ihr, andere Menschen ebenso zu ermutigen und zu fördern.
DREIER haben einen sechsten Sinn für das, was vorgeht (privat, in Gruppen, in der Gesellschaft). Ihr Einfluss in Gruppen ist groß; sie sind natürliche Führer. Kein Wunder, dass auch sie außenorientiert sind: Habe ich Erfolg? Komme ich gut an? So lautet ihr Selbstbild: Ich bin erfolgreich.
Das Innere-Kind-Muster der DREI: Sei strebsam und erfolgreich. Als Kind wurde die DREI bei Erfolg gelobt: Ich werde geliebt, wenn ich Erfolg habe und gewinne.
So ziehen DREIER ihre Lebensenergie aus ihren Erfolgen. Sie sind sehr kompetente, gut aussehende Selbstdarsteller und kommen mit ihrer Rolle besser zurecht als mit ihren eigentlichen Gefühlen, die sie kaum kennen.
Der Abwehrmechanismus der DREI: Die DREI schützt sich vor Angriffen, in dem sie sich mit einer Gruppe oder einem Thema identifiziert und nur ungern Kritik daran zulässt. (Wenn eine DREI an etwas glaubt, tut sie das ohne Wenn und Aber und kann die Schattenseiten völlig ausblenden.)
Das ist ihr Weg, Versagen, das für sie unerträglich ist, zu vermeiden. Für sie steht Effektivität im Vordergrund; dabei kommt es ihr mehr auf Äußerlichkeiten als auf den Inhalt an. So ist die Falle der DREI ihre Eitelkeit!
Dieser Erfolgsdruck führt zum wunden Punkt der DREI: der Lüge, der Unehrlichkeit, der subtilen Schönfärbereien – mit dem Ziel, ihr Selbstbild aufrechtzuerhalten.
Die Lebensaufgabe der DREI: Zur Wahrhaftigkeit zu finden, großen und kleinen Lebenslügen ins Auge zu sehen und nicht schönzureden, selbstkritisch zu werden.
Die DREI muss buchstäblich am Tiefgang arbeiten und Zugang zu den eigenen Gefühlen bekommen, zu wirklicher Liebe. (DREIER verwechseln gerne den Applaus, den sie bekommen, mit echter Liebe.) Wie fühle ich mich wirklich? Übungen zur Körperwahrnehmung und Gefühlswahrnehmung können helfen.
Das alles ist nicht leicht, denn die Art der DREI wird in unserer Gesellschaft nur selten in Frage gestellt.
DREIER dürfen lernen, dass jemand ihr Selbst liebt und nicht die Rolle, die sie spielen oder das Produkt, das sie verkaufen. Und sie dürfen lernen, dass im Versagen eine Chance zur Verwandlung liegt.


Die VIER

VIERER sind hochsensibel und künstlerisch begabt mit einem besonderen Sinn für Schönheit und Harmonie. Sie erfassen Stimmungen und Gefühle seismographisch; alles, was Lebensenergie hat, zieht sie an.
Auch sie beziehen ihre Lebensenergie von außen: Bemerkt ihr mich? Bin ich besonders? Daraus leiten sie ihr Selbstbild Ich bin anders und ihre Idealisierung Ich bin okay, wenn ich originell, sensibel und kultiviert bin ab.
Zu Hause sind sie im Bereich der Fantasie, der Sehnsüchte, der Melancholie (mit Affinität zum Tod), die anziehender sind als die Realität selbst.
Ihre Kindheitserfahrung liegt in einer als unerträglich und sinnlos wahrgenommenen Außenwelt, oft verbunden mit einem schmerzhaften Verlusterlebnis. Auf der Suche nach der eigenen Identität wenden sie sich daher ihrer Innenwelt zu und erschaffen dort neue Liebesquellen.
Tiefer Zorn aus der Kindheit wohnt in einer VIER, den sie häufig gegen sich selbst richtet: Ich bin böse, ich bin schuld. So produzieren VIERER immer wieder Situationen, in denen sie verlassen werden. Sich nach etwas zu sehnen, ist für die VIER bedeutsamer, als es zu haben, was sie als Partner/-in schwierig macht.
Ihr elitäres Bewusstsein lässt sie die Normen der Gesellschaft missachten. Sie will auf keinen Fall gewöhnlich sein und sublimiert daher künstlerisch: Gefühle werden nur indirekt zum Ausdruck gebracht. Das ist ihr Abwehrmechanismus.
Das Leben einer unreifen VIER ist eine einzige Inszenierung aus dem Künstlermilieu: Kleidung, Wohnungseinrichtung, Hobbys, Freunde, Angewohnheiten: Alles soll leicht und authentisch wirken (Falle). Konkurrenten begegnen sie mit großem Neid (wunder Punkt). VIERER sehen sofort, wer mehr Klasse hat als sie selbst. Dabei sind sie sehr stur und geben ihr Selbstbild nur ungern auf.
Ihre Lebensaufgabe: Die VIER ist eingeladen, zur Ausgeglichenheit ihrer Gefühle zurückzukehren: einen gesunden Realismus walten zu lassen und ihre Sehnsucht auf erreichbare Ziele zu richten. Keine Enneagramm-Nummer versteht die menschliche Seele und ihre Abgründe besser als die VIER. In ihrer reifen Form ist sie daher ein perfekter Seelsorger.
Wenn sie ihren Snobismus ablegt und ihre Gaben mit der Welt teilt, findet sie zu wahrer Authentizität.

Als ich begann, mich mit dem Enneagramm zu beschäftigen, bin ich zunächst über die DREI als möglicherweise für mich passende Nummer gestolpert. Ich nahm zum ersten Mal bewusst wahr, dass ich auf der Lebensbühne verschiedene Rollen mit immer wieder anderen Masken spielte, hinter denen sich mein wahres Selbst verbarg. Heute ist mir klar, dass wir alle, im nicht-privaten UND auch privaten Bereich, zumeist unbewusst Rollen spielen. Wir wollen uns nicht in die Karten schauen lassen, keine Möglichkeit des Verletzt-Werdens erlauben. Am Ende des Tages wissen wir gar nicht mehr, wie unser Selbst aussieht, wie es sich anfühlt. Wir vergessen sogar, dass wir so etwas wie ein Selbst überhaupt haben – so identifiziert sind wir mit unseren großen und kleinen Lebensrollen.

Lies hier den sechsten Teil meiner Enneagramm-Serie.


Schreib einen Kommentar!


           Zum aktuellen Blog zurück