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Wahre Freiheit
Sonntag, 18. Oktober 2026
Der Sohn Gottes ist frei, heißt es in Lektion 277 von EKIW. Was steckt hinter dieser Aussage, die mich in diesen Tagen tief berührt hat?
Offensichtlich erlebt uns Jesus als unfrei, denn sonst würde er uns nicht genau das zurufen. Erkennen WIR, was uns unfrei macht?
Da ist zum einen unser Körper, unser stärkstes Identifikationsobjekt. Er engt uns ein durch seine zeitliche und räumliche Begrenzung, durch seine Schwerfälligkeit, seine zunehmende Hinfälligkeit im Alter, sein abzusehendes Ende.
Um diesen Körper, mit dem wir so sehr identifiziert sind, sicherer zu machen, unterwerfen wir uns irdischen Gesetzen, die wir wie Götzen anbeten, erklärt Jesus. Wir haben Ernährungs- und Bewegungskonzepte entwickelt, um ihn fit zu halten. Gesundheitsprogramme zum Schutz gegen Krankheit und frühzeitiges Altern nähren die Idee, wir könnten das Universum überlisten und unsere Zeit auf Erden ausdehnen - und so wird so mancher von uns über die Jahre sogar zum lebendigen Ersatzteillager. Wir geben darüber hinaus Unmengen an Geld aus, um unseren Körper zu kleiden, zu frisieren, attraktiver zu machen, um mit anderen Körpern konkurrieren zu können.
Als wäre es noch nicht genug, widmen wir uns in der uns verbleibenden Zeit unseren anderen Identifikationsobjekten:
Da ist z.B. unsere Schul-, Aus- und Weiterbildung, die uns zu unserem gesellschaftlichen Status, zu unserem Besitz, zu unserem Wissen führt, die es allesamt zu pflegen gilt. Was tun wir nicht alles für einen guten Job, ein gutes Auskommen, eine sichere Rente, für unser Ansehen, unseren guten Ruf in der Gesellschaft, für unsere Klugheit, unser Mitreden-Können?
Was nehmen wir nicht alles in Kauf, um so zu wohnen, wie wir denken, dass es angemessen ist, welches Auto (oder eher: welche Autos), welche Urlaube, welche Events uns entsprechen und unsere irdischen Ziele verwirklichen helfen?
Welche Ideen haben wir von Beziehungen, von Partnerschaft, von Freundschaften? Welche Deals gehen wir ein, damit sie funktionieren? Und wenn das nicht gelingt, führen wir Kriege, individuell und kollektiv, um unser Konzept von Freiheit durchzusetzen. (Lies dazu gerne noch einmal den letztjährigen Weihnachtsblog.)
Sieht all das so aus, als seien wir frei? Sieht es nicht viel eher so aus, als machten wir uns frei-willig mit selbstgewählten Ideen und Konzepten zum Sklaven unserer Art zu leben?
Dies ist kein Aufruf, alles, was unser Leben ausmacht, über den Haufen zu werfen, aber ein ernst gemeinter Appell, unsere selbstgemachten Götzen zu hinterfragen.
Wir sind für eine sehr begrenzte Zeit in das irdische Sein hineingeworfen und wir haben die Aufgabe, unsere Seelenaufgabe, diese kleine Zeitspanne mit DEM Sinn und DEM Leben zu füllen, die uns in der Tiefe unseres Seins entsprechen. DAS ist Freiheit, denn einzig wenn unsere Seele das lebt, das zu leben sie inkarniert ist, ist sie frei, so befremdlich das klingen mag. In JEDEM ANDEREN Fall ist sie eingeengt, gefangen in einem Leben, das ihr nicht entspricht. Da verwundert es nicht, dass sich die Menschen in weiten Teilen entwurzelt fühlen, entfremdet, rastlos, einsam, krank, in spiritueller Sprache: unangebunden. Sie folgen dem Mainstream in der Übernahme seiner Konzepte darüber, wie das Leben zu sein hat, ohne die leise innere Stimme wahrzunehmen, die allein ihnen ihren Weg zu zeigen vermag.
Es ist wirklich an der Zeit, dass wir unsere Idee vom Leben transzendieren, dass wir mündig werden in dem Sinne, dass wir unser Leben in seinen Bestandteilen und in seiner Gesamtheit auf innere Stimmigkeit hinterfragen und neu ausrichten. Wir dürfen in uns hineinhorchen, hineinfühlen, was uns gut tut, uns lebendig fühlen lässt, froh macht, und uns von dem verabschieden, was uns belastet und unser Leben beschwert. Der Sohn Gottes ist frei! Das ist keine billige Floskel, sondern eine Chance, uns als das wahrzunehmen, was wir in Wirklichkeit sind.
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