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Auf der Suche nach Heilung und innerem Frieden

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German Angst (2)

Sonntag, 24. Mai 2026


Vielen Dank, Peter, für die aufschlussreiche Darstellung deiner Sicht auf das Angst-Phänomen der Deutschen, eine Sicht, in der sich schon so einige spirituelle Aspekte tummeln. Direkt ins Auge gesprungen sind mir die subtilen Ängste, die sich hinter den deutschen Tugenden, die du im Einzelnen aufgeführt hast, verbergen.
Wir dürfen uns erinnern: Wir nehmen die Welt entweder aus dem getrennten Bewusstsein heraus wahr, aus einem Bewusstsein der Angst, des Mangels, des ständigen Kampfes um unser Recht-haben-wollen in täglichen Auseinandersetzungen und um unser körperliches Überleben in Krieg oder Krankheit – oder aus einem Bewusstsein der Liebe, des Friedens, der Freude, in dem die Angst in all ihren Facetten schlichtweg nicht existiert.

Immer wieder spreche ich mit Menschen, die ihre Angst leugnen: Ich habe doch keine Angst! Okay, in manchen Situationen vielleicht, aber generell?
Wenn du die alten Blogs zum Thema Angst noch einmal gelesen hast, erinnerst du dich an die Auflistung „offensichtlicher“ Ängste einerseits und der „verborgenen“ andererseits, die uns in der Regel aller Fälle nicht bewusst sind. Im getrennten Bewusstsein fühlen wir uns nicht mit dem großen Ganzen, mit Gott verbunden. Wir fühlen uns getrennt, alleingelassen, auf uns gestellt, und in diesem Empfinden ist unser ganzes Leben im weiteren Sinne ein Kampf um einfach alles – auch wenn wir das wahrscheinlich nicht so benennen würden.
Der Kampf ums Überleben in all seinen Ausprägungen ist in unseren Genen so tief und unbewusst verankert, dass wir ihn nicht mehr wahrnehmen, wir empfinden ihn tatsächlich als normal. So ist das eben im Leben. Und wir akzeptieren meistens stillschweigend, manchmal auch zähneknirschend die damit einhergehenden Schmerzen, alle Mühen, alles Leiden.

Und zurück zur Geman Angst: Je größer unser Ego ist, desto heftiger der Kampf um die vielfältigen Errungenschaften – und damit die Angst, diese zu verlieren. Jesus sagt dazu: Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher (jemand, der in jeder Hinsicht viel zu verlieren hat) in das Reich Gottes gelangt (Mk 10,25). Das gilt für den einzelnen Menschen wie für eine Nation, die sich aus welchen Gründen auch immer für eine besondere hält. Peter hat ganz klar herausgearbeitet, was die Angst, eben diese Errungenschaften zu verlieren, mit den Deutschen macht.

Nicht umsonst wird die Enneagramm-Nummer SECHS Deutschland zugeordnet. (Was das Enneagramm ist und wie es sich mit den einzelnen Nummern verhält, kannst du hier nachlesen.)
Zur SECHS ist Folgendes zu sagen: Die SECHS ist DIE Nummer der Angst. Neben den wunderbaren Gaben, die SECHSER-Menschen gleichfalls mitbringen, werden sie in allem, was sie tun, von der Angst motiviert, ja getrieben – in der Regel ohne dass sie es merken. (Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass die meisten von uns sich im Zustand der Unbewusstheit befinden und die tiefen Gründe für ihr Handeln nicht erkennen.)
SECHSER haben eine besondere Antenne für drohende Gefahren, sind leicht von Selbstzweifeln befallen: Die Welt ist gefährlich. Man muss auf der Hut sein.
Ihr Mangel an echtem Selbstvertrauen führt sie leicht in die Obrigkeitsgläubigkeit, in die Unterordnung unter Autoritäten (Partei, Militär, Kirche, Wissenschaft, Verein usw.), wie man z.B. besonders im Nationalsozialismus sehen konnte: Die unreife SECHS gehorcht bedingungslos.
SECHSER werden geplagt von bewussten und unbewussten Versagensängsten, sind oft Pessimisten, Bedenkenträger und bauen, wie von Peter beschrieben, durch entsprechendes (Charakter-)Verhalten vor. Ihr wunder Punkt liegt in ihrem überzogenen Streben nach Sicherheit, die sie in orthodoxen Systemen (siehe Klammer oben, aber auch z.B. in Familienstrukturen mit Clan-Qualität, PURPURNE Stufe nach Wilber) suchen. Ihr Hang zu Traditionalismus oder im Extremfall zu Fundamentalismus ordnet sie der BLAUEN Stufe nach Wilber zu. Gesetz und Regeln faszinieren sie. So sehen sie sich im Selbstbild als pflichtbewusst, treu, gehorsam und loyal und projizieren ihre tiefliegende Angst (derer sie sich nicht gewahr sind und sie deshalb leugnen) auf das Außen, z.B. auf politische Gegner, gegen die es sich abzusichern gilt. Eine recht „normale“ Denke - nicht nur im deutschen Bundestag, die sich im politischen Diskurs verkleidet als Diplomatie, Vernunft oder auch Loyalität. (Es sei angemerkt, dass eine Haltung wie gerade beschrieben, im Denken und Handeln dieser Welt durchaus ihre Berechtigung hat wie auch eine Nation ohne Strukturen der BLAUEN Bewusstseinsstufe im Chaos versinken würde. Wenn du magst, nimm dir gerne noch einmal die Wilberschen Bewusstseinsstufen vor.)

Ehrlicherweise dürfen wir erkennen, dass nicht nur SECHSER-Menschen angstvoll sind. Solange wir uns nicht ohne Wenn und Aber für die Liebe entscheiden, sind und bleiben wir mit der Angst verbändelt, ob uns das bewusst ist oder nicht. Wir fürchten den Verlust all dessen, was wir uns persönlich oder als Nation aufgebaut haben, in letzter Instanz fürchten wir den Verlust unserer physischen Existenz. (Als EINS im Enneagramm, die sich lange Zeit als SECHS wähnte, weiß ich, wovon ich spreche…)

Ist uns klar, dass wir pausenlos um etwas kämpfen, dessen Verlust unausweichlich ist, dass wir unser Haus fortwährend auf Sand bauen (Mt 7,26), wie Jesus uns verdeutlichte? Was bleibt von unserem Namen, unserem Wissen, unserem Besitz, all dem, was wir glauben erreicht zu haben? Was bleibt von unserem Körper, mit dem wir so extremst identifiziert sind? NICHTS. Allenfalls unser Name auf einem Grabstein, der für eine kleine Weile an unser Erdenleben erinnert.
Diese Welt ist eine duale. Ein Kommen und Gehen. Ein Geboren-werden und ein Sterben. So wie Menschen geboren werden und sterben, entstehen und vergehen Weltreiche und Nationen – und auch alles andere. So ist der Lauf dieser Welt.

Während Peter aus der Sicht des Naturwissenschaftlers die Angst als Antrieb der Evolution als gegeben akzeptiert, ihr mittlerweile überbordendes Ausmaß besonders hierzulande jedoch als selbstzerstörerisch kritisiert, nimmt die Spiritualität eine andere Sicht auf die Dinge ein: Wir dürfen grundsätzlich wählen, wie wir die Welt wahrnehmen möchten. Bleiben wir im üblichen dualen Ego-Denksystem dieser Welt, so verharren wir in der Vergänglichkeit aller Dinge und die Angst wird stets mehr oder weniger unser Begleiter sein; entscheiden wir uns dafür, stattdessen in die Wahrnehmung Gottes einzutauchen, eröffnet sich uns eine komplett andere Wirklichkeit, eine Wirklichkeit frei von Angst, ohne Kampf, ohne Verlust, Mangel oder Leid. Eine Wirklichkeit, in der der Tod eine Illusion ist.

Wir dürfen jetzt in diesem Moment neu entscheiden. Gegen jede kollektive oder persönliche Angst. Für die Liebe.

In diesem Sinne wünsche ich euch gesegnete Pfingsten!


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