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Vergebung
Ostersonntag, 05. April 2026
Die wunderbare Kurs-Lektion 62 regt mich an, die Reihe zu „Wer kennt sich schon?“ durch sie zu vervollständigen. Mit jedem Praxis-Tag spüre ich deutlicher, dass sie wunderbar in diesen Kontext und zu Ostern, dem Fest der Auferstehung, passt.
Es geht um Vergebung. Ich schildere zunächst die landläufige Sicht von Vergebung, der wir uns alle mehr oder weniger, ob religiös oder nicht, im Ego-Denksystem unserer Welt angeschlossen haben.
In diesem Sinne geht der Vergebung eine Schuld voraus. Irgendjemand hat mir etwas „angetan“ und steht jetzt in meiner Schuld. Ich, die Geschädigte, das Opfer, habe nun die Möglichkeit, mich gnädig zu erweisen und dem Täter großzügig zu vergeben, oder aber ich entscheide mich gegen die Vergebung, möglicherweise weil mir die Schuld zu groß erscheint. (Vielleicht erkennst du, wenn du im Wilberschen Denken geschult bist, hier die BLAUE Stufe wieder…)
Der Jesus des Neuen Testaments hat einige von uns mit seiner bedingungslosen Liebe und Vergebung beeinflusst.
Die christlichen Kirchen sprechen im Namen Gottes Vergebung aus, wenn der Täter bereut - in der Katholischen Kirche im Speziellen durch das Sakrament der Beichte.
Wir finden Ansätze davon zum Beispiel zu Gericht, wo bei der Findung des Strafmaßes alle möglichen Hintergründe des Täters wohlwollend Berücksichtigung finden.
Bei der Aufarbeitung von Traumata rät der Beratende zum Loslassen, zum Weg-geben, zum Ver-geben, damit das Trauma nicht länger anhaftet und das Opfer frei wird.
Es ist ganz offensichtlich ein Bewusstsein dafür entstanden, dass simple Rache uns im Teufelskreis gefangen hält und dem Phänomen als solchem in all seinen Facetten nicht gerecht wird.
Immer aber bleibt es in dieser herkömmlichen Sichtweise beim Täter-Opfer-Gefälle und einer vorangegangenen Schuld, mit der irgendwie umgegangen werden muss. So weit das Bewusstsein auch fortgeschritten ist: Es verlangt nach einer neuen Ebene! Ich zitiere noch einmal Einstein: Probleme werden nie auf der Ebene gelöst, auf der sie entstanden sind.
So dürfen wir noch einmal hinschauen, was Jesus vor 2000 Jahren wirklich meinte, als er von Vergebung sprach – eine Art der Vergebung, die die ganze Welt nicht verstand, weil ihr Bewusstseinszustand es noch nicht zuließ: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,34), betete Jesus am Kreuz.
Im von Jesus gechannelten Kurs in Wundern heißt es zur Vergebung: Gott vergibt nicht, weil er nie verurteilt hat (Kurs-Lektion 46). Auf der höchsten Bewusstseinsebene der göttlichen Einheit existiert kein Opfer-Täter-Gefälle, kein noch so kleiner Gedanke von Schuld. Nichts, das aus der QUELLE strömt, kann je schuldig sein!
Wir haben als Folge der Vertreibung aus dem Paradies, dem Verlust der Einheit, das getrennte Bewusstsein erschaffen, ein Bewusstsein von Täter und Opfer. So werden wir in der Dualität unserer Welt immer irgendwie schuldig, zeigen projizierend mit dem Finger, suchen denjenigen, den wir anklagen können. So manches Mal scheint die Anklage offensichtlich zu sein, hier und da versteckt sie sich.
Auf Seelenebene heißt es dazu: Wir wählen ganz bewusst für unsere anstehende Inkarnation mal das eine und mal das andere, also mal Täter und mal Opfer zu sein – denn Seelen möchten sich erfahren. Ein interessanter Gedanke, wie ich finde, entlässt er uns doch aus der Idee von ungerechtem Schicksal, das uns ereilt, oder?
Zurück zu Jesus. Was verstand er unter Vergebung?
Jesu Wahrnehmung kommt aus dem Einheitsbewusstsein der KORALLENEN Stufe (nach Wilber). Als Beobachter all des Treibens in der Welt sieht er das ständig hin- und herschwingende Pendel der Dualität; er sieht die verschiedenen Muster und Denkstrukturen, denen sich die Menschen (unbewusst) unterordnen, die Konzepte, die ihre Sicht auf alle und alles (unbewusst) bestimmen. Er erkennt klar, wie das Ego mit seinem Recht-Haben-Wollen, mit seinen Urteilen und Bewertungen das Denken und Handeln der Menschen (unbewusst) bestimmt. Und er weiß um die Fatalität der Dualität: In ihr wird man – mehr oder weniger – immer schuldig. Das ist ihr Prinzip.
Wie dem entkommen?
Durch Vergebung! Nicht Vergebung im herkömmlichen Sinne, sondern im Sinne eines liebenden Beobachters der höchsten Bewusstseinsebene: Der Welt ihr duales, ihr ego-verhaftetes So-Sein grundsätzlich zu vergeben!
Und so dürfen wir nicht nur der Welt ihr So-Sein vergeben, sondern mit ihr jedem unserer Widersacher, jedem unserer Arschengel – und vor allem uns selbst, die wir wie jeder andere mit der Welt, wie sie halt ist, verwoben sind. Auch wir hängen in unseren Mustern und Denkstrukturen, die andere einseitig und unvollständig wahrnehmen und damit verletzen. Auch wir bewerten aus unseren Denkkonzepten, aus unserem Tunnelblick heraus und werden dem, was wir bewerten, damit nicht gerecht. Auch wir tun das eine vielleicht aus allerbestem Vorsatz heraus und versäumen darüber ein anderes. Grund genug, uns zu vergeben. Grund genug zu erkennen, dass Vergebung im jesuanischen Sinne der Schlüssel zum Frieden in uns und in der Welt ist.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen gesegnete Ostern!
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