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Wer kennt sich schon? (2)
Sonntag, 08. März 2026
Im heutigen Blog geht es im Schwerpunkt um die Folgen der Diskrepanz zwischen deinem Selbstbild und dem Fremdbild. (Vorsicht bei letzterem, denn auch hier schaut ja wieder jeder Einzelne durch die Augen seiner speziellen Glaubenssätze auf dich. Eine einheitliche Wahrnehmung deiner selbst von außen gibt es also nicht!)
Das aus unseren Glaubenssätzen entstandene, konstruierte „Ideal-Ich“ ist Tag aus, Tag ein mit unbewussten, krankmachenden Schattenanteilen konfrontiert. Durch das permanente Verbergen unseres Schattens findet in unserem Unterbewusstsein ein ständiger Kampf statt, der uns nicht gut tut: Er raubt uns unsere Lebensenergie und beeinträchtigt unseren Selbstwert. Schauen wir mal genauer hin, ich komme auf das Beispiel des „braven Kindes“ zurück.
Mein Selbstbild ist gemäß diesem Glaubenssatz: Ich bin in Ordnung, wenn ich gut und regelkonform bin. In meinem Schatten liegen z.B. Aspekte wie: Ich möchte ihm/ihr mal so richtig meine Meinung sagen. Noch einmal zur Verdeutlichung: Das, was in meinem Schatten liegt, ist nicht weg. Ich verstecke es nur (unbewusst) vor der Welt und vor mir selbst, weil es mir einst als unangemessene Verhaltensweise gespiegelt wurde: So darf ich nicht sein. Wenn ich so bin, dann mögen mich meine Eltern, meine Bezugspersonen nicht.
Was geschieht nun, wenn ich, um in diesem Beispiel zu bleiben, missgünstige Gedanken hege oder gegen Regeln verstoße? Es entsteht SCHAM. Das Gefühl der Scham entsteht durch die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung meiner selbst und der Fremdwahrnehmung: Ich sollte doch eigentlich ein guter Mensch sein… Und aus der Scham wiederum folgen Unwertigkeitsgefühle: Ich bin falsch. Ich bin nicht gut genug. Der Selbstwert sackt in den Keller und mit ihm gerät alles in die Dysbalance. Ich ruhe nicht in mir selbst.
Schauen wir uns zunächst den Bereich der Beziehungen an.
Ohne Wissen um das Phänomen „Schatten“ laufen wir – wie fast jeder in unserer Gesellschaft – in die sogenannte Projektionsfalle. Was heißt das? Das, was in uns unbewusst gärt, projizieren wir nach außen und finden es – dem Resonanzgesetz entsprechend – gespiegelt in unseren „Arschengeln“. Das sind jene Menschen, die unsere verborgenen Schattenseiten ausleben und uns damit triggern: Das geht doch nicht! Wie kann der/die nur! Sie werden ArschENGEL genannt, weil es gerade sie sind, die uns mit ihrem Verhalten einen Hinweis auf unsere eigenen, im Schatten liegenden Glaubenssätze geben. Auch wenn uns oft nicht danach zumute ist: Wir dürfen ihnen danken, denn sie führen uns tief in unser Inneres, wenn wir es zulassen und die Projektion durchschauen.
Unsere Gesellschaft wäre im Großen wie im Kleinen um ein Vielfaches friedlicher, wenn dieser Sündenbockmechanismus aufgelöst würde. Alles Schimpfen auf Politiker und sonstige Verantwortliche würde weitestgehend zum Erliegen kommen, wenn wir erkennen, dass die Ursache unserer Schimpftiraden in uns selbst zu suchen ist, individuell wie kollektiv. Wenn wir uns selber heilen, also unsere Glaubenssätze liebevoll integrieren, heilen wir damit uns UND die Welt. Und wir brauchen damit gar nicht auf die große Weltbühne zu gehen, es wäre schon hilfreich, in unseren nahen Beziehungen damit anzufangen. Wie viele Vorwürfe formulieren wir tagtäglich, ausgesprochene und vor allem solche in Gedanken? Immer dann, wenn wir etwas im Außen nicht akzeptieren können, wie es ist, ist unser Schatten aktiv. Wir geraten im Bereich unserer Beziehungen immer wieder in ähnliche Schieflagen und wundern uns, warum das so ist. Es entstehen ungleiche Beziehungsgefälle, (Co-)Abhängigkeiten und Deals, Arrangements, die uns an der Oberfläche über Wasser halten und wenig mit authentischem Leben zu tun haben. Wir müssen uns deshalb nicht schuldig fühlen, wir haben es auf unserer Bewusstseinsstufe nicht anders gelernt. Aber wir haben die Chance, uns dieser Schattenstrukturen bewusst zu werden, sie liebevoll anzunehmen und mit und mit aufzulösen.
C.G. Jung, auf den die Schattenarbeit zurückgeht, sagt dazu:
„Bis wir das Unbewusste bewusst machen, wird es unser Leben lenken und wir werden es Schicksal nennen.“
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Kommentare...
...von Andi am 08.03.2026:
Vielen Dank, wieder sehr hilfreich...
Das Thema regt zum Nachdenken an. Ist insgesamt damit gemeint, dass man seine "Schatten" nach Möglichkeit offenlegen soll und auch benennen? Oder habe ich etwas falsch verstanden?
Antwort von Susanne:
Liebe Andi, es geht darum, dass du dir gegenüber deine Schattenseiten benennen kannst. Sie dürfen gerne mit vertrauten Personen geteilt werden (sie erkennen sie ohnehin besser als du selber); ein öffentliches Zurschautragen ist nicht erforderlich; es geht nur um unsere eigene Heilung.
Kennst du das Gefühl, wenn andere dich anders wahrnehmen, als du dich selbst siehst? Hast du schon einmal bewusst tiefe Scham empfunden?
Kannst du erkennen, dass deinen Beziehungsstreitigkeiten immer gleiche Muster zugrunde liegen?