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Wer kennt sich schon? (4)
Sonntag, 22. März 2026
Wie finden wir unseren Schatten? Der einfachste Weg im Alltag ist tatsächlich der schon oft genannte. Beobachte, was dich an anderen Menschen triggert: an deinem Partner / deiner Partnerin, an deinen Kindern, deinen Eltern, deinen Freunden, an Nachbarn, an Vorgesetzten, Kollegen, an Politikern, Machthabern usw. Jede Person und auch alle Umstände, die in dir ein Gefühl des Widerstandes – und sei es auch noch so klein – auslösen, sind willkommen, um dich deinem Schatten näherzubringen.
Wenn du wirklich gewillt bist, in deine Tiefen einzutauchen, dann bring deine Widerstände regelmäßig zu Papier und versuch über diesen Weg, deine typischen Denk- und Reaktionsmuster herauszukristallisieren: Immer wenn sich eine Person so und so verhält, spüre ich, wie ich grollig (neidisch, eifersüchtig, missgünstig, ängstlich usw.) werde.
Sehr hilfreich ist es, mit einem Menschen deines Vertrauens im Gespräch zu sein. Während wir selber immer wieder in unsere blinden Flecke hineinrutschen, sieht uns ein Außenstehender sehr klar und darf uns all seine Beobachtungen in Liebe und Achtung spiegeln, wohlwissend, dass es ihm, was seine eigenen Muster angeht, nicht anders ergeht.
Darüber hinaus gibt es Tools, die uns systematisch unterstützen können. Zum Einstieg empfehle ich The Work von Byron Katie. The Work arbeitet im Schwerpunkt mit der Rücknahme unserer Projektionen und bietet damit eine sehr gute Grundlage für die gesamte Thematik der Schattenarbeit als solche. Das Enneagramm taucht dann speziell in Typen-Muster ein. Die Enneagrammzahlen EINS bis NEUN fassen die menschlichen Denk- und Reaktionsmuster erstaunlich gut und sicher zusammen. Auch hier ist wieder Vorsicht geboten: Die Zahl, mit der du dich zunächst am wohlsten fühlst, entspricht aller Wahrscheinlichkeit eher deinem Selbstbild und schließt deinen Schatten aus. Achte auch hier wieder darauf, welche Zahl dir missfällt, in dir Widerstand auslöst, und schau hier näher hin.
Beide Wege, The Work und das Enneagramm, habe ich in früheren Blogs dargelegt. Definitiv ist es darüber hinaus hilfreich, entsprechende Seminare zu besuchen und unter Anleitung zu trainieren. Wir hängen zu sehr in unserem gewohnten Denken, als dass wir mit Leichtigkeit eine neue Wahrnehmung unserer selbst einnehmen könnten.
Du hast nun einen im Schatten liegenden Glaubenssatz oder ein dominierendes Gefühl herauskristallisieren können. Wie geht es weiter?
Erinnerst du dich an die Blogbeiträge zu unseren Ängsten (06.04.25 und 16.11.25), an den Umgang mit ihnen und schließlich an ihre Verwandlung? Das nun folgende Procedere bleibt im Prinzip das gleiche:
Triff zunächst nach der Bewusstwerdung / Aufdeckung deines Schattens die Entscheidung, fortan authentisch, d.h. ohne deinen Schatten, leben zu wollen.
Löse dich dann aus der Identifikation / aus der Verklebung mit deinen üblichen Wahrnehmungsmustern, indem du zum neutralen Beobachter deiner Gedanken und Gefühle wirst. Du spürst beispielsweise intensiv in das Gefühl hinein, welches dein Glaubenssatz in dir auslöst, z.B. in das Empfinden von Unwertigkeit, beobachtest regelrecht den Schmerz, der in deinem Körper verursacht wird. Du erlaubst ihm, da zu sein, drückst ihn nicht weg, hältst ihn aus und lässt ihn dadurch schließlich fließen.
Indem du die beobachtende Rolle einnimmst, gehst du automatisch aus besagter Identifikation heraus auf eine objektiv wahrnehmende Ebene, die weder beurteilt noch wertet. Werde dir bewusst: Du bist NICHT dein Glaubenssatz und du bist NICHT das Gefühl, das er hervorruft. Dein Sein, dein großes SELBST, ist und bleibt völlig unberührt von alledem.
Und vielleicht gelingt dir nach einiger Zeit der Übung sogar ein liebevoller Blick auf das, was du beobachtest. Damit rutschst du in die Art der Wahrnehmung der höchsten Bewusstseinsebene, die nicht wertet und urteilt, sondern alle und alles in Liebe umfängt – und jegliche Schattenabspaltung damit überflüssig macht.
Im Anschluss an diesen Transformationsprozess ist es wichtig, dass du neue Erfahrungen (aus der Vertikalen) kreierst und damit die alten überschreibst – andernfalls besteht die Gefahr, dass neue (alte) Schattenräume entstehen und letzten Endes nichts gewonnen ist. Das ist derzeit eine meiner größten Herausforderungen, die mich viel Disziplin und Energie kostet und auch immer wieder mal misslingt.
Der Prozess als ganzer liest sich schon ziemlich komplex, wie ich finde. Ist er auch – und dennoch ist jeder noch so kleine Schritt in die Bewusstmachung sehr, sehr hilfreich und hilft uns, uns aus unseren unbewussten Schattenmustern zu lösen. Und wir dürfen auch hier die Hilfe und den Dienst der geistigen Welt erbitten, dann fällt so einiges leichter. Nur Mut also!
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Was triggert dich immer und immer wieder? Erkennst du die dahinterliegenden Muster?
Hast du den Mut und das Vertrauen, den Dienst anderer Menschen als Spiegel anzunehmen?
Willst du wirklich alte Schattenräume schließen? Bist du bereit für neue Erfahrungen?