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Gut und böse?
Sonntag, 03. Mai 2026
Danke, liebe Nicole, für die Buchauswahl und -vorstellung. Es ist eine wunderbare Idee, an das Gute im Menschen zu glauben und so eben diese Energie zu stärken und auszudehnen: Das große SELBST schimmert durch. Die Welt macht sich für ein neues Bewusstsein bereit!
Ich knüpfe an: Eigene Herausforderungen machen mir derzeit unmissverständlich klar, dass alle Aktivitäten des Verstandes, die negativen wie die positiven, letztlich auf der Ego-Bühne stattfinden. (Nicht umsonst setzen spirituelle Lehrer wie Eckhart Tolle den Verstand mit dem Ego gleich.)
Der Verstand geht analytisch vor, versucht zu erklären, zu rationalisieren. Das sind Eigenschaften, die wir in unserer westlichen Welt sehr hoch schätzen und die sicherlich an der einen oder anderen Stelle auch ihre Berechtigung haben. In den Frieden führen sie uns jedoch nicht, weil analytisches Denken dem getrennten Bewusstsein entspringt: Dieses ist so – jenes anders. Analytisches Denken unterscheidet, stellt gegenüber, kategorisiert – wie du am Beispiel von Bregmans Thesen, wie es zu „bösen“ Handlungen in der Welt kommt, sehen kannst (Blog vom 19.4.26).
Der mangelnde Frieden in der Welt ist nicht von der Hand zu weisen. Er findet sich sowohl in unseren kleinen Gemeinschaften als auch auf der Weltbühne, letztlich wie so oft beschrieben ursächlich in uns selbst, auch wenn wir das vehement von uns weisen, weil wir unser Projektionsverhalten nicht wahrhaben wollen.
Gibt es „gute“ oder „schlechte“ Menschen? Die geistige Idee von Gut und Böse generiert erst das Problem, also die Dualität als solche. Sie ist nicht Teil der ursprünglichen göttlichen Wirklichkeit, sondern erst als Schöpfung des getrennten Bewusstseins (nach der metaphorischen Vertreibung aus dem Paradies der Einheit) entstanden. Das zu verstehen ist schwer, denn wir sind darauf geeicht, die Welt mit unseren Wahrnehmungsorganen um uns herum zu betrachten: Ich bin doch hier und du bist doch da. Und die Welt ist doch „da draußen“, oder? Das kann ich doch alles ganz deutlich erkennen!
Ist das wirklich so oder sind wir einer uralten Illusion aufgesessen, der Illusion der Trennung?
Seit Menschengedenken wissen die spirituellen Weisheitslehren aller Religionen um die Illusion der sichtbaren Welt („maya“). Das nach der Vertreibung aus dem Paradies entstandene getrennte Bewusstsein, ein von Gott getrenntes, sich aus der Einheit gelöstes Bewusstsein, hat gemäß dem ersten Hermetischen Gesetz der Geistigkeit die sichtbare Welt kreiert (Blog „Geist und Materie“). Alles, was uns in der Welt als existent erscheint, ist das manifestierte Ergebnis dieses getrennten Geistes, der die Macht hat, genau das zu tun. Unglaublich, oder? Die Menschen, Tiere, Pflanzen, unser Planet, ja das gesamte Universum, alles findet auf der Filmleinwand statt – um ein adequates Bild zu bemühen. Und um das noch zu toppen: Gott hat all das, was wir unsere Welt nennen, nicht erschaffen. Es ist im Gegenteil das Ergebnis des getrennten Bewusstseins, das sich erfahren möchte.
Jesus hat genau das im Gleichnis vom verlorenen Sohn (LK 15,11-32) thematisiert, eine Erzählung, die auf eine moralische Betrachtungsweise (der BLAUEN Bewusstseinsstufe nach Wilber) reduziert wurde. Es geht jedoch vielmehr darum, dass der Sohn (also wir alle in unserem von Gott, von der Einheit getrennten Bewusstsein) sein eigenes Ding machen wollte. Er verließ sein Elternhaus (die Einheit), um an anderen Orten (getrennte) Erfahrungen zu machen. Sie bescherten ihm Ängste und Verlusterlebnisse aller Art, genau all das, was uns bis heute als Menschheit umtreibt. Und er ging zurück zum Vater (in die liebende Einheit), erkannte sein Zuhause.
Zurück zu obiger Frage nach Gut und Böse. Es ist eindeutig eine Frage aus dem getrennten Bewusstsein heraus wie auch alle Bemühungen es sind, sie in irgendeiner Form des Verstandes zu kategorisieren, vielleicht sogar aufzulösen. Und wieder einmal bemühe ich Einstein: Probleme werden nie auf der Ebene gelöst, auf der sie entstanden sind. Ohne den Wechsel auf die geistige Ebene der Einheit werden wir das getrennte Bewusstsein und mit ihm alles, was es uns beschert in seiner dualen Form (gut und böse, Frieden und Krieg usw.), nicht loswerden.
Auf der geistigen Ebene dürfen wir lernen, mit Gott „mitzufühlen“. Gottes wahre Schöpfung jenseits der Dualität verbindet alle Gegensätze, nimmt alles liebend als EINS wahr. Das ist für den Verstand nicht nachvollziehbar, es bleibt ihm ein Rätsel. Und so bemüht er sich weiterhin um Auflösung der Dualität über duales Denken. Ein Teufelskreis, der ihn in seinem eigenen Gefängnis hält.
Es ist Zeit für einen Ebenenwechsel, wenn der Menschheit an sich selbst gelegen ist. Damit der Verstand nicht gänzlich überfordert ist, darf der Ebenenwechsel sich allmählich (über die GELBE Stufe nach Wilber) anbahnen. Wir dürfen lernen, dass ein Kategorisieren in Gut und Böse nicht zur Lösung beiträgt. Dass ein jeder von uns seine eigene Sicht auf die Welt mitbringt und es damit kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch-als-auch-als-auch … gibt. Schon dieser Bewusstseinsschritt ist alles andere als leicht und verlangt von uns die Bereitschaft, unser Bewusstsein zu weiten, angstfrei und mutig unseren Geist für die neuen, ungewohnten Wege der „Vertikalen“ zu öffnen.
Bist du bereit für das neue Bewusstsein, das uns über die Dualität erhebt und der Welt Frieden zu schenken vermag? Die gesamte geistige Welt wartet sehnsüchtig darauf, dir bei diesem Transformationsprozess zu dienen.
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