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Auf der Suche nach Heilung und innerem Frieden

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Ego-Verstand oder Wirklichkeit?

Sonntag, 7. Juni 2026


Es ist nicht so leicht, das Leben sein zu lassen, wie es ist. Unser Verstand und unser Ego (im Grunde ein und dasselbe), mischen sich ständig in unser Leben ein. Sie kreieren Gedanken, wie das Leben sein sollte oder auch wie es nicht sein sollte.
Durch diesen Mind-Apparat, diese Gedanken­blasen, entsteht eine Distanz zwischen uns und der Wirklich­keit (Gottes). Wir erkennen also die Wirklich­keit nicht, wie sie ist; stattdessen nehmen wir fast ausschließlich unsere Ideen von der Wirklich­keit wahr: Wir sind also ständig mit unseren eigenen Gedanken­schöpfungen konfrontiert.

Wir dürfen uns erinnern (siehe den Blog vom 28.12.25), dass diese sich aus unseren vergangenen Erfahrungen und den Konzepten, die wir daraus entwickelt haben, speisen. Der Verstand liebt es ganz offen­sichtlich, das, was er bereits kennt, zu reproduzieren. So wird die Illusion – alles ist ja nur ein Gedanken­konstrukt – beständig am Laufen gehalten. (Und wir können einmal mehr erkennen, warum wir Menschen lieber in unguten Situationen verharren, als uns zu neuen freud­volleren Ufern aufzumachen.)

Wenn der Verstand seine Tätigkeit einstellt, was z.B. im Zustand des sogenannten „no-mind“, der Gedanken­leere, geschieht, bricht das ganze Kartenhaus zusammen. Um dem zuvor­zukommen, ist der Verstand ständig auf der Flucht, erfindet ständig neue (Problem-) Geschichten mit 60.000-80.000 zumeist unbewussten Gedanken pro Tag, so Eckhart Tolle, und das alles, um nur ja nicht mit der Wirklich­keit konfrontiert zu werden, in anderen Worten: um nicht zu sterben. Du liest richtig: Die Wirklich­keit bedeutet den Tod des Egos, des Verstandes.
Wir dürfen diesen Mechanismus durch­schauen lernen. Und wir haben weiterhin die Option, unseren Ego-Verstand zu füttern und damit das Spiel aufrecht­zuerhalten – oder aus dem Spiel der Gedanken­illusion auszusteigen. Die Macht der Entscheidung ist unser, so Jesus im Kurs (Lektion 152).

Was mich angeht, spüre ich immer deutlicher, dass mich das duale Spiel des irdischen Lebens, das ständige Auf und Ab, immer mehr anstrengt, ermüdet. Ich spüre die zunehmende Bereit­schaft, meine „Problemgeschichten“ loszu­lassen, abzugeben in die Hände des Heiligen Geistes, und in die vertrauens­volle Leichtig­keit der Wirklich­keit einzusteigen.

Noch einmal Schritt für Schritt: In der Verklebung mit meinem Problem (dann bin ich komplett unbewusst) leide ich unter ihm. Ich denke, es sei real, ein Teil von mir, und müsse gelöst werden, und zwar von mir bzw. mit meiner Beteiligung. Das erzeugt Druck, Widerstand gegen das, was ist, und ist im höchsten Maße erschöpfend, zehrend.

In der Vergangenheit habe ich das so nicht wahrgenommen. Ich bin mit der Vorstellung groß geworden, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Mich um meine Probleme zu kümmern und zu ihrer Lösung beizutragen, war mein täglich Brot – das habe ich nicht in Frage gestellt. Und so habe ich jede nur erdenk­liche Energie aufgebracht, mich um meine Belange und um die meiner Familie zu kümmern. Die Erschöpfung hat sich erst über die Jahr­zehnte eingestellt, wurde vielleicht sogar befeuert mit meinem steigenden Bewusst­sein: Was mache ich hier eigentlich?
(So empfindet die EINS im Enneagramm; bei den anderen Nummern ergibt sich wie früher beschrieben eine andere Reaktions­weise auf die Welt.)

Durch meine gewachsene innige Beziehung zum Heiligen Geist komme ich immer mehr in das Gewahrsein, dass Vergebung und Loslassen – und zwar in seine Hände hinein – mich unmittelbar in eine wunderbare Gelassen­heit bringt. Ich muss mein irdisches Leben nicht alleine meistern. Da ist jemand an meiner Seite, der nur darauf wartet, helfen zu dürfen. Und er kann es weit besser, als ich es mit meiner kleinen irdischen Ego-Perspektive auf die anstehenden Belange je könnte.

All das wusste mein Verstand durch meine kirchliche Sozialisation „theoretisch“ schon viel früher, aber tief in mir habe ich es wohl nicht geglaubt, sonst hätte ich die Kontrolle schon viel früher abgegeben. Da ist der Verstand wirklich geschickt, leistet ganze Arbeit: Das glaubst du doch wohl selber nicht, dass es da irgendeine Instanz gibt, die dir hilft. Wie naiv bist du? Mach es selber, kämpf um dein Recht, lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen.
Dabei ist die Aktions­weise des Ego-Verstandes im Grunde so perfide, dass unsere Problem­geschichten für uns wirklich bleiben. Bedenke, dass das Ego genau dadurch am Leben gehalten wird. So gesehen kann es nicht anders, als genau das zu tun, was es tut.

An dieser Stelle dürfen wir uns die Frage stellen, ob uns daran gelegen ist, unser Ego-Konstrukt am Laufen zu halten – oder ob wir endlich leben wollen. Wollen wir weiterhin unsere Problem­geschichten für wirklich halten und darauf unsere Existenz gründen, oder sind wir bereit, in die Lebendig­keit des Augen­blicks, jenseits von Vergangen­heit und Zukunft, jenseits unseres Verstandes einzu­tauchen?

„Sterben vor dem Sterben“ meint die Auflösung unseres Ego-Verstandes zu unseren physischen Lebzeiten. Der physische Tod löscht ohnehin alles aus, was nicht wirklich ist, heißt, er vernichtet alle Ego-Illusionen einschließlich unseres Körpers, da sie – so schwer auch zu verstehen – nur Gedanken­konstrukte, Mental­schöpfungen in unseren Köpfen sind.
Was bleibt, ist die Wirklich­keit, die Realität Gottes. Sie ist das wahre Leben – vor und nach unserem physischen Tod.

Gerne empfehle ich dir eine dazu passende, wunder­schöne Meditation von Robin Kaiser: Die Kunst des Lebens. Sie hat mir unzählige Impulse gegeben.


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