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Auf der Suche nach Heilung und innerem Frieden

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Wer kennt sich schon? (1)

Sonntag, 01. März 2026


So banal diese Frage auf den ersten Blick klingen mag, so tricky ist sie auf den zweiten. Mit meinen mittlerweile 63 Jahren habe ich mich über die Dauer der Zeit näher kennenlernen dürfen, muss aber mit Erstaunen eingestehen, dass ich immer noch neue Züge an mir entdecke. Wie kann das sein?

Es geht wie so oft um das, was in unserem Unterbewussten schlummert. Das oft zitierte Eisbergmodell veranschaulicht, dass der überwiegende Teil menschlichen Denkens und Handelns, wir können von gut 90% sprechen, UNTER der Wasseroberfläche liegt, uns also nur bedingt zugänglich ist. Sigmund Freud, auf dessen Bewusstseinstheorie das Modell inhaltlich zurückgeht, erkannte, dass die im Unbewussten liegenden Ängste, verdrängten Konflikte, traumatischen Erlebnisse, Triebe und Instinkte Prägungen frühkindlicher Entwicklungsphasen sind, die uns bis heute unbewusst steuern und unser Denken und Handeln massiv beeinflussen – ohne dass wir uns dessen gewahr sind. Halten wir also fest: Es gibt einen relativ kleinen Bereich bewussten Denkens und Handelns und einen immens großen unbewussten.

Die bewussten, oft idealisierten Züge unserer selbst formen das, was wir unser Selbstbild nennen, also die Vorstellung, die wir von uns haben bzw. von uns selbst machen; die uns unbewussten Züge unserer selbst hingegen liegen verborgen im Schatten.

Wie entsteht unser Selbstbild? Da dürfen wir zunächst einmal auf die Entstehungsgeschichte unseres Schatten schauen.
Der Schatten ist im Prinzip all das, was der Mensch bei seinem Versuch, sich seiner Umgebung anzupassen, verdrängt hat. Schon als Kleinkind erfahren wir, welche Verhaltensweisen bei unseren Bezugspersonen gut ankommen und deshalb verstärkt werden und welche keinen Zuspruch erfahren, sich in Folge nicht weiterentwickeln und letztendlich in die Unsichtbarkeit, den sog. Schatten rutschen. Diese Innere-Kind-Muster, wie sie heute genannt werden, sind bei uns allen je unterschiedlich: Sei ein braves Kind. Lerne fleißig. Sei hilfsbereit und gut. Vertraue niemandem. Du bist einfach zu dumm. Der liebe Gott sieht alles. Geh fröhlich durch die Welt. Du schaffst es nicht allein. Du bist der Mittelpunkt der Welt. Ein Junge weint nicht. Ein Mädchen tut so etwas nicht...
So ist aus jedem Innere-Kind-Muster ein äußeres, sichtbares und ein verborgenes, im Schatten liegendes Verhalten hervorgegangen. Bleiben wir bei dem Beispiel „braves Kind“, das sicherlich auf einige meiner Generation zutrifft: Ich werde geliebt, wenn ich brav bin, mich an das halte, was meine Eltern als Regelverhalten festlegen. Das ist das erwünschte Verhalten, das Verstärkung erfährt. Bin ich unartig, frech, will ich meinen eigenen Kopf durchsetzen, werde ich getadelt – und das möchte ich nicht. Also vermeide ich das Verhalten, das mir die Zuneigung meiner Bezugspersonen vorenthält, und somit wird es zu meinem oft lebenslangen Schatten. Ich entwickle mich nach außen hin zu einem Menschen, der sich vorzugsweise regelkonform verhält („brav ist“) und Widerstand vermeidet. Nichtsdestotrotz: Der Wunsch, „unartig“ zu sein, in die Opposition zu gehen, die eigene Meinung auch mal „rauszuhauen“, ist nicht verschwunden. Er liegt in meinem Schatten verborgen und sorgt dort für seelisches und körperliches Ungleichgewicht – und all das, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.

Kommen wir zurück zu unserem Selbstbild, ich bleibe im o.g. Beispiel. Im Bild von mir selbst bin ich regelkonform und pflichtbewusst, „brav“, tue das, was andere von mir erwarten und aus meiner Sicht auch erwarten können, ja sogar mit der Tendenz zum Moralisieren in der idealisierten Form: Ich sehe, wo Menschen sich nicht an die Regeln halten und rege mich darüber auf usw. (Lies gerne noch mal in Wilbers BLAUER Stufe nach…)
Du siehst, was das alles nach sich zieht:
1. Es entsteht ein Selbstbild, im Grunde ein konstruiertes „Ideal-Ich“, das jedoch nicht der Realität entspricht, denn es übersieht das, was im Schatten liegt. (Im Übrigen kann das jeder Außenstehende erkennen, das nennt man dann das „Fremdbild“, nur uns selbst bleibt es als sogenannter blinder Fleck verborgen. Wir verstecken es vor der Welt und glauben, dass die Welt es nicht sieht.) Weitergedacht entsteht daraus sogar ein ganzes, konstruiertes Lebenskonzept, auf der Basis dessen wir die Welt wahrnehmen, ein Konzept, das sich – zusammen mit anderen im Schatten liegenden Glaubenssätzen, die uns prägen – zu unserer Nummer im Enneagramm herauskristallisiert (vgl. in diesem Fall die EINS im Enneagramm). Wir geraten immer wieder in Resonanz mit diesen Schattenanteilen, sehen die Welt verengt durch die Augen dieser Glaubenssätze.
2. Die unbewussten Schattenanteile sind stets aktiv, ohne dass wir es bemerken. Sie sorgen für verschiedenste Dysbalancen in unserem Körpersystem wie auch in Beziehungsgeflechten; im nächsten Blogbeitrag erfährst du dazu mehr.

Kennst du deine eigenen Glaubenssätze? Was ist in deinem vollem Bewusstsein, was vermutest du in deinem Schatten? Hast du schon mal bewusst erlebt, dass Menschen dich anders wahrnehmen als du dich selbst? Wie gehst du damit um, wie fühlst du dich dabei?


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Einladung...

Noch ein Veranstaltungshinweis in eigener Sache: Wenn du im südlichen Sauerland wohnst, lade ich dich herzlich zu einer kleinen Seminarreihe ein, die Peter und ich gemeinsam veranstalten, inspiriert durch Prof. Eschs Buch „Wofür stehen Sie morgens auf?“. Es sind noch drei Plätze frei. Hier der Link zur VHS Lüdenscheid.

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