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Die SIEBEN und die ACHT

Sonntag, 16. Februar 2025


Die SIEBEN

SIEBENER strahlen Optimismus und Freude aus, sind empfänglich für die Kostbarkeiten des Lebens. Voller Idealismus und Zukunftspläne, können sie als heitere Zeitgenossen auch andere dafür begeistern. Die fröhliche SIEBEN sieht auf den ersten Blick nicht verkopft aus, dagegen locker, phantasiebegabt, sonnig, charming.
Ihr Selbstbild lautet: Ich bin glücklich. Ihre Idealisierung: Ich bin okay, wenn ich optimistisch, fröhlich und nett bin – bis sie eines Tages merkt, dass all das ein Abwehrmechanismus gegen Angst und Schmerzen ist.
Auffallend ist ihr Umgang mit traumatischen Lebenserlebnissen: Negative Erfahrungen werden übertüncht, gehen in den Kopf und in die Planung eines Lebens mit möglichst viel Spiel und Spaß (Falle).
SIEBENER können das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und haben es so oft zu Wohlstand gebracht.
Die SIEBEN ist das ewige Kind. Alles scheint nie genug zu sein: Sie braucht ständig Abwechslung und Stimulation.
SIEBENER sind keine Spezialisten, sondern eher Generalisten, Allround-Dilettanten. Dabei arbeiten sie gerne freiberuflich oder in einem Team.
Ihre Versuchung liegt in ihrem Idealismus: Sie sehen nur die guten Seiten einer Sache, während sie die anderen verdrängen. Sind ihre Interessen jedoch in Gefahr, wehren sie sich vehement.
Der Abwehrmechanismus der SIEBEN ist die Rationalisierung (als nachträgliche Scheinbegründung): Es würde die Armen der Welt auch nicht glücklicher machen, wenn wir auf unseren Wohlstand verzichten. Für eine Trennung gibt es schnell rationale Gründe: Freiheit ist auch was Schönes. Der Schmerz wird nicht wirklich erlebt, sondern wegerklärt. So werden Glück und Unglück im Kopf produziert.
SIEBENER haben eine übertrieben positive Sicht auf die eigene Person, ihre eigenen Schattenseiten erkennen sie nur schwer. Um über das Unangenehme hinwegzusehen, machen sie gerne Witze.
Die SIEBEN vermeidet den Schmerz: Ich will fröhlich sein anstatt traurig. Die Unbeschwertheit ist jedoch oft nur aufgesetzt und doppelbödig.
Ihr wunder Punkt ist die Unmäßigkeit: von allem zu viel (sie redet auch zu viel). Weniger ist mehr, wenn eine unreife SIEBEN wachsen will.
Eine SIEBEN kann man nur schwer kritisieren: Sie lächelt dann charmant, macht ein paar Witze, vermittelt jedoch nicht den Eindruck, dass Kritik ankommt.
Ihre Lebensaufgabe: Die Gabe der SIEBEN ist die Nüchternheit, die oberflächlichen Optimismus aufzulösen vermag. Während die unreife SIEBEN überzeugt ist, sie sei ihres eigenen Glückes Schmied, ergeht die Einladung an die reife SIEBEN, sich ihrer Inneren Führung hinzugeben. Ihr Idealismus wird transformiert zu einem wachen Realismus und zu wirklichem Engagement, das nicht nur der Vermeidung von Schmerz dient. Die reife SIEBEN ist aufgefordert, ihre Angst vor Schmerz zu überwinden und in die tiefe Selbstannahme zu kommen, ihre dunkle Seite anzunehmen, das Geschwätz einzustellen und das Leben zu verlangsamen. Meditationen und Stilleübungen können der reifen SIEBEN den Weg in die tiefe Freude weisen, nach der sie sich sehnt.


Die ACHT

ACHTER wirken stark und mächtig und sind fähig, auch anderen ein Gefühl von Stärke zu vermitteln. Sie haben ein großes Gefühl für Gerechtigkeit und Wahrheit, sind offen und direkt, ein Fels für Verlässlichkeit. Auf das Wort einer ACHT ist Verlass.
ACHTER lieben es, böse Jungs und Mädchen zu sein. Da die Welt weiche Tendenzen bestraft, setzen sie auf Härte, legen sich einen Panzer zu.
Als Kinder wurden sie oft unterdrückt und herumgestoßen. Manchmal wurden sie auch von ihren Eltern wegen ihrer Stärke belohnt.
Die Grunderfahrung der ACHT ist, dass das Leben bedrohlich ist. ACHTER suchen Konflikte und schaffen sie geradezu. Abwehr ist ihre erste Reaktion auf Neues. So sind sie notorische Neinsager.
Gleichermaßen ergreifen sie gerne Partei für die Schwachen, haben aber das kleine Kind in sich und mit ihm seine Verwundbarkeit und Zärtlichkeit tief vergraben.
Das Selbstbild der ACHT lautet: Ich bin stark. (Ihre Idealisierung: Ich bin okay, wenn ich gerecht, stark und überlegen bin.)
Beziehungen mit ACHTERN sind nicht leicht, da sie direkt und rechthaberisch sind, dabei oft unter die Gürtellinie gehen, sich jedoch never ever entschuldigen. Fehler einzugestehen wäre aus ihrer Sicht ein Zeichen von Schwäche. Für einen ebenbürtigen Feind jedoch bringen sie großen Respekt auf.
ACHTER genießen ihre Macht; sie spüren die Schwächen anderer schnell auf und nutzen sie ohne Gewissensbisse für sich.
Ihre Gaben bringen andererseits oft große Führergestalten hervor oder wecken die Potenziale anderer. Sie sind leidenschaftliche Liebhaber des Lebens mit viel Lebensenergie und auch Leidensbereitschaft.
Die ACHT vermeidet Unterlegenheit und Schwachheit zur Not auch durch Leugnung (Abwehrmechanismus). Ihr Kampf für Gerechtigkeit ist Stärke und Versuchung zugleich.
ACHTER suchen immer einen Schuldigen, den sie bestrafen können, auch sich selbst. Rache und Vergeltung zu üben (Falle), sind für sie in der Waagschale okay.
Ihr wunder Punkt ist ihre Schamlosigkeit: Eine unreife ACHT haut drauf und hat wenig Verständnis für die Würde eines anderen.
Ihre Lebensaufgabe: Die Einladung an die Acht heißt, die Unschuld im eigenen Kind in sich zu finden, die eigene Schwachheit zu sehen, sich selbst ehrlich und wahrhaftig das zuzumuten, was sie anderen zumutet (Arbeit mit dem inneren Kind).
Im Zuge ihrer Reifung wird sich eine ACHT mit der Machtfrage auseinandersetzen müssen, mit dem Zulassen anderer Standpunkte und dem würdevollen Umgang mit dem Gegenüber. Die ACHT darf Vergebung als Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche erfahren lernen. Hilfreich sind dabei Reisen nach innen, um den eigenen weichen inneren Kern kennen- und lieben zu lernen.

In der nächsten Woche kommen wir mit der NEUN zum Ende der Vorstellung der einzelnen Enneagramm-Nummern. Hast du bislang eine Ahnung entwickelt, welche Nummer du sein könntest? Hast du dir nahestehende Menschen identifizieren können (was wegen der fehlenden Eigenblindheit-Problematik oftmals leichter ist)?

Heute möchte ich dir noch Songs über die einzelnen Enneagramm-Nummern vorstellen, und zwar von Sleeping At Last, einem US-amerikanischen Musikprojekt, das durch Ryan O’Neill geleitet wird. In wunderschön vertonter Lyrik werden die einzelnen Nummern in ihren Kernaussagen musikalisch wiedergegeben. Enneagramm-Experte Christopher L. Heuertz hat O’Neill dabei inhaltlich beraten.
Hör gerne einmal in die Nummern SEVEN und EIGHT rein.

Lies hier den achten Teil meiner Enneagramm-Serie.


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