Angst (3)
Sonntag, 23. März 2025
Die Spiritualität kennt nur zwei Seinszustände: den der Angst und den der Liebe. Alles, was nicht Liebe ist, ist demzufolge Angst. Nicht zufällig also ist der Appell „Fürchte dich nicht!“ mehr als 300-mal in der Bibel zu finden.
Vielleicht sagst du: Ja, es gibt die eine oder andere Situation, in der ich Angst habe. Vielleicht beim Arzt, wenn ich auf eine Diagnose warte. Vielleicht wenn jemand in meinem nahen Umfeld schwerwiegend erkrankt ist. Vielleicht im Flieger. Vielleicht vor einer Prüfung. Vielleicht vor einer möglicherweise aus dem Ruder laufenden Konfliktsituation. Oder weiter gefasst: Vielleicht Angst vor dem nahen Krieg in Europa, vor der politischen Situation in Deutschland und der Welt, vor der Klimakatastrophe.
Das sind DIE Situationen, in denen dir die Angst bewusst ist, du sie deutlich spürst durch Anspannung, Unruhe, Herzklopfen.
Was du jedoch in der Regel nicht bewusst spürst, sind die unterschwelligen, zahlreichen Facetten und Verkleidungen von Angst, die unser Leben tagtäglich nahezu nonstop durchziehen, jene Spielarten der Angst, mit denen wir uns im Laufe der Evolution wie selbstredend arrangiert haben und sie kaum noch bewusst wahrnehmen:
- die Angst, im Nachteil zu sein, zu kurz zu kommen
- die Angst, nicht beachtet, nicht gesehen zu werden
- die Angst, nichts wert zu sein
- die Angst, zu versagen, zu verlieren
- die Angst, verlassen zu werden
- die Angst, verletzt zu werden
- die Angst, nicht geliebt zu werden
- die Angst, den Job zu verlieren, die Rechnungen nicht bezahlen zu können
- die Angst, die Kontrolle zu verlieren
- die latente Angst vor Konflikt und Krieg
- die latente Angst vor Krankheit und Alter
- letztlich die Angst vor dem Tod, DEM Tabu-Thema unserer Gesellschaft.
Diese unterschwellige Angst, die unser Leben unbemerkt auf unbewusster Ebene durchzieht, führt zu einer permanenten Stressreaktion im chemischen Sinne, bei der beständig Stresshormone ausgeschüttet werden, die uns auf die Dauer der Zeit aus dem Gleichgewicht bringen. Es ist heute – und das nicht nur in medizinisch progressiven Kreisen – kein Geheimnis mehr, dass psychische Dysbalance als Ursache von Krankheitsbildern immer häufiger in Betracht gezogen wird (siehe Dahlke/Dethlefsen: Krankheit als Weg; Martel: Mein Körper. Barometer der Seele). Peter hat ja im letzten Blog auch bereits darauf hingewiesen.
So kann Krankheit – wie andere Krisensituationen in unserem Leben auch – zu einem eye-opener werden, uns und unser Leben zu reflektieren, hinter die Fassade unseres Lebens im Hamsterrad zu schauen und einen tiefen Blick in unser Unbewusstes zu wagen, dorthin, wo sich unsere Ängste tummeln.
Wenn du gewillt bist, die latenten, unbewussten Ängste in dir aufzuspüren, um sich ihnen in einem weiteren Schritt zu stellen, empfehle ich dir die Meditations-CD „Frei werden von Angst“ von Robert Betz. Im ersten Teil formuliert Betz eben jene oben aufgelisteten Facetten von Angst, die tief in uns ihr Unwesen treiben. Er fordert uns, die Hörenden, auf nachzuspüren, an welcher Stelle wir jeweils in Resonanz gehen, also einen Angstschmerz empfinden. Wenn du dich auf dieses Fühl-Erlebnis einlässt, wirst du an so mancher Stelle überrascht sein, denn die meisten unserer versteckten Angstmuster sind uns nicht bekannt, triggern uns jedoch tagein, tagaus und machen uns das Leben unnötig schwer. Es wird Zeit, dass wir sie wahrnehmen!
So geht es im nächsten Blog um das Unbewusste in uns, um all unsere verborgenen Ängste, darum, wie wir für gewöhnlich mit ihnen umgehen, um in unserem Leben klarzukommen.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, dich für einen Vortrag einzuladen, dessen Thema mir sehr am Herzen liegt: Die (R)Evolution des Bewusstseins nach Ken Wilber (am 1.4.25 um 18.30 Uhr in der VHS Lüdenscheid). Darüber hinaus biete ich ab Anfang Mai ein Seminar zu praktischer Bewusstseinsarbeit nach Eckhart Tolle an. Das Seminar ist zwar schon ausgebucht, aber es gibt eine Warteliste, auf die zurückgegriffen wird, sofern ein Teilnehmer abspringt.
Lies hier den vierten Teil der Serie über die Angst.
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